Cyanotypie- Cyanowas?

Cyanotypie – Cyanowas?

Klugscheißer Post, oder: unter Nerd lohnt sich das Lesen nicht

Cyan – das Wort kommt einem schon bekannter vor: blau – oder? Genau, laut WikiP bezeichnet es einen Farbton, der im Übergang von Blau zu Grün liegt. Da denkt ihr das gleiche wie ich und Ja! einige Absätze später findet es sich auch: Verwandte [...] Farbnamen sind etwa Türkis, Aquamarin, Blaugrün und Grünblau. Über den Unterschied von Blaugrün zu Grünblau in der persönlichen Wahrnehmung lässt sich bestimmt fast so schön philosophieren wie über “das Kleid” und seine schwarz/blau oder gold/weiß wahrgenommene Farbe, welches vor ein paar Wochen durchs Netz gegangen ist (#thedress, wer es sich nochmal in Erinnerung rufen möchte).

-typie Frei nach WikiP gekürzt:  ”Das Verb τύπειν (týpein) bedeutet „einen Eindruck machen“ oder „etwas vervielfältigen“,” im Altgriechischen und wir kennen es unter anderem in Typographie, oder – haha, frei nach Betty – der tolle Typ da.  Sagt man doch so wenn jemand Eindruck macht: Das ist ja ein Typ!

Meine Turniershirts wurden von mir selbst gefärbt, dip dye und batik, gestencilt, gebleacht,  bemalt und beflockt.  Japp – das ist aufwendig.
Und da ich zudem das Design noch selber entwerfe, ebenso wie die Vorlagen und die aus gegebenen Umständen nicht immer wiederverwertbar sind, kannst du dir vorstellen, dass ich nach einer Möglichkeit der (Re-)Produktion gesucht habe, die weder unheimlich lange dauert noch unheimlich teuer ist. Klar kann ich mir auch T-Shirts im online Shop der Wahl bedrucken lassen, nur sind meine Ansprüche sehr speziell was Farben und Design angehen. Also würde ich in einem normalen Shop auch locker 50 € für ein T-Shirt ausgeben, bei dem noch die Hälfte fehlt – und dann noch nicht mal ganz genau wie ich es will? Da mache ich es lieber selber!
Bevor ich jetzt weiter in einer historischen Abhandlung über meine T-Shirt Arbeiten eingehe, reduziere ich mich auf: viel Arbeit – und das ist schon so lange her (2012/+13), dass selbst meine vielen T-Shirts mittlerweile mehr als nur guten Willen brauchen um noch als turniertauglich zu gelten. Also nochmal in kurz ;-): Viel Arbeit – keine mehr tauglich.

Es spuken mir auch immer mehr Sprüche im Kopf herum, die danach rufen auf T-Shirt gebannt und den Menschen unter ihre Augen gehalten zu werden. Jeden Buchstaben einzeln mit Skalpell aus einer Folie zu schneiden – und das ohne Schönschrifthände – ist bei der Vielzahl an Ideen, die auf Umsetzung warten, nicht mehr möglich.

Also muss ein Druck her, aber Handarbeit selbstverständlich.

Screen printing? Ja! Nein? Gibt es doch schon! Und in richtig gut, ne danke, ich mache lieber mein Ding, etwas Kleines, und bitte ohne Hundert Euro in Anschaffungskosten zu stecken.
weiter… es ging über Lichtdruck Möglichkeiten (man gibt es tolle abgefahrene fertig Kits! z.B. Lumi) aber 40 Euro für 4 Folien… geile Idee… weiter… von da aus war es nicht mehr weit zur Cyanographie und zum Blaudruck wie wir es tatsächlich hier im Münsterland gerade noch zum Bedrucken von Tischdecken als alte Handwerkstradition kennen. Ja, schon amüsant, wie mich die Internetrecherche vom letzt-entwickelten Trend zum historischen Handwerk meiner Region führte. Warum in die Ferne schweifen wenn das Gute ist so nah – den Spruch mag ich eigentlich nicht, doch hier trifft er zu.

Laut einiger Webseiten sind die Zutaten recht erschwinglich und man läge bei ca. 13 € für einen Liter Lösung. Nun ähm ja, das hatte mich überzeugt, aber ich kann euch sagen: Das war vielleicht mal, jetzt kostet es mehr.

Die chemischen Stoffe grünes Ammoniumferrizitrat, sowie rotes Blutlaugensalz werden jeweils in Wasser aufgelöst.

Zum Verhältnis von Stoff A (Ammonium….) zu Stoff B (Blutlaugensalz) habe ich unterschiedliche Angaben gefunden: von 5 zu 2 bis zu 27 / 16.

zum Beispiel: 50 Gramm (A)  wird aufgelöst, dann entspricht dazu 20 Gramm (B) bei einem Verhältnis von 5 zu 2.

(A) wird in 10 g pro 100 ml (destilliertes, auch hier mal destilliert, mal normales Wasser in Rezepten gefunden) und (B) im ausgesuchten Verhältnis in der gleichen Menge Wasser (aber separat!).  

Dieses Verhältnis findet ihr bei Wolfgang Autenrieth, dem Verfasser von „Neue und alte Techniken der Radierung im Edeldruckverfahren“.

An einigen anderen Stellen hat mich das Rezept von 27 zu 16  pro 200 ml überzeugt.

(Nicht steinigen, das ist chemisch hier bestimmt fachsprachlich inkompetent wieder gegeben, doch meines Erachtens nach im allgemeinen Sprachgebrauch besser zu verstehen und deshalb mein gewählter Weg der Kommunikation.)

weiter geht es

Diese beiden Lösungen werden dann in einer Braunglasflasche – da die Mischung C lichtempfindlich ist (das ist der Clou des Ganzen daran) zusammen gemischt.

Ganz schlicht im 1:1. Also 100 ml von Gemisch A und dazu 100 ml von Gemisch B.

Ich denke ich werde statt der Braunglasflasche einfach eine gut gesäuberte PET-Flasche in einen Geschenkkarton für (Wein-)Flaschen packen, dann hat meine Flasche eine eigene Dunkelkammer ;-).

Das zu belichtende Material (Baumwolle, Aquarellpapier…) wird mit C bestrichen (nicht bei viel Sonnenlicht), im möglichst Dunklen getrocknet und dann kommt das Negativ des gewünschten Bildes drauf.

Das Motiv (Transparentfolie in Graustufendruck) wird mit einer Glasplatte beschwert, damit keine Sonne zwischen Bild und Abbild kommt. Sonst würden Stellen belichtet werden, die hell bleiben sollen. (Merke: Belichtung führt zur chemischen Reaktion – die Stelle wird blau – beim Auswaschen mit Wasser.)

Durch die Sonneneinwirkung verbindet sich das belichtete Gemisch mit dem Trägermaterial (bei mir T-Shirt).
Stellen an denen das aufgelegte Bild den Schatten geworfen hat, reagieren nicht mit dem UV Licht, so dass keine Reaktion passiert. (Diese bleiben also hell = T Shirt verfärbt sich da nicht).

Die Magie passiert beim Auswaschen: die belichteten Stellen werden durch das Waschen mit Leitungswasser Blau!

Cyanotypie zu Hause: schlichte Anleitung

  1. Ammoniumferrizitrat (A) anmischen

  2. Rotes Blutlaugensalz (B) anmischen

  3. beides 1:1 zur lichtempfindlichen (C) mischen

  4. Trägermaterial bestreichen (wenig UV)

  5. trocknen lassen (wenig UV)

  6. Schwarz/weiß bedruckte Transparentfolie mit Negativ des Motives plan auflegen und beschweren

  7. ca. 30-50 Minuten bei Sonnenschein belichten lassen (lieber zu lang als zu kurz)

  8. ausspülen

  9. bewundern

  10. pH-neutral (alkalifrei und säurearm) waschen

Tipps

  • Auch wenn die Chemikalien einzeln als ungefährlich eingestuft sind, sind sie mit Vorsicht zu behandeln, nicht einatmen, nicht essen, nicht in die Augen reiben, etc. pi pa po.

  • Lösung A ist nur im Kühlschrank bis zu 3 Wochen haltbar – beschriften!!!

  • Gemisch C ist sehr empfindlich (z.B. Licht), deshalb nur so viel machen wie gebraucht wird

So, und das Beste zuletzt: Ich habe es selbst noch nicht ausprobiert ;-). Ich warte noch, bis alle Lieferungen bei mir eintreffen, da meine Apotheke vor Ort mir nicht weiterhelfen konnte.

Dies ist eine Zusammenfassung, für weitere Details GIY, eine wissenschaftliche Abhandlung will ich hier nicht schreiben, dazu gibt es Fähigere – aber ich hoffe, ich konnte hier etwas Lesbares und Verständliches für dich und mich schreiben, denn dies fehlte noch im www.

Betty

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>